Lastenfahrrad Test – Elektro, für Kinder oder den Hund

Carsten Hinrichs
- Dies ist ein Gemeinschaftsbeitrag der Fahrradmagazin Redaktion.
Lastenfahrrad mit E-Bike Antrieb

Lastenfahrräder finden immer mehr Einzug in unseren Alltag. Vom Privatanwender über den Paketservice bis hin zum Lieferdienst, ein Lastenrad kommt immer häufiger zum Einsatz. Es kann einiges leisten und ist im Stadtverkehr durchaus eine Konkurrenz zum Lieferwagen. Wir haben uns im persönlichen Lastenfahrrad Test angesehen, welche Unterschiede verschiedene Modelle und Bauarten aufweisen. Auf diese Dinge sollten man auch 2024 vor dem Kauf achten.

Ein Lastenrad ist grundsätzlich dazu da, verschiedene Lasten transportieren zu können. Abseits vom Transport von Dingen auf dem Gepäckträger, bietet das Lastenrad eine Möglichkeit, auch größere und vor allem schwere Utensilien zu bewegen. Die Bauart des Lastenrads ist dabei oftmals schon entscheidend für den Einsatz. Lastenfahrräder gibt es mit Ladezonen:

  • vorne am Lastenrad
  • hinten am Lastenrad
  • in der Mitte, zwischen den Rädern

Das Spannende dabei ist, dass jede Position ganz unterschiedliche Auswirkungen auf das Fahrverhalten hat. Auch der Radstand nimmt hierauf einen großen Einfluss. Je nachdem, ob es sich um ein Lastenrad mit drei oder mit zwei Rädern handelt, ist auch der Schwerpunkt einflussnehmend auf das Fahrgefühl. Ein Dreirad hat eine wesentlich stabilere Straßenlage und kann grundsätzlich nicht so schnell kippen. Ein Lastenfahrrad mit zwei Reifen benötigt einen stabilen und breiten Fahrradständer.

Nicht jedes Lastenrad ist immer mit einer sehr großen Bauweise verbunden, so kann zum Beispiel mit einem Umbausatz auch ein normales Fahrrad zum Lastenrad umfunktioniert werden. Mit einem Trego Trolley ist dies in wenigen Schritten erledigt und der Rückbau zum normalen Fahrrad ist ebenfalls in wenigen Minuten durchführbar. Auch ist die Erweiterung um einen Lasten-Gepäckträger bereits eine Art von Lastenrad. Hier kennt man zum Beispiel die Fahrräder der Post oder auch Fahrräder, auf denen über dem Vorderrad ein Bierkasten transportiert werden kann.

Trego Trolley
Trego Trolley zur Erweiterung zum Cargobike

Hinweis: Wer das erste Mal mit einem Lastenfahrrad fährt, sollte den persönlichen Lastenfahrrad Test und eine kleine Probefahrt ohne Last und Zuladung durchführen. Das Fahrgefühl ist anders als mit einem normalen Fahrrad. Die Gewöhnung findet jedoch in der Regel schnell statt. Mit einer Last erhöht sich der Bremsweg. Dies ist besonders im Straßenverkehr wichtig zu wissen. Je schwerer die Last, desto länger kann der Bremsweg ausfallen. Es sollte demnach vor einer längeren Fahrt auch immer ein kurzer Bremswegtest durchgeführt werden.

Das Fahrverhalten von mehrspurigen Lastenrändern ist stark unterschiedlich. Während wir beim Fahren auf einem einspurigen Lastenrad (auch Long John genannt) eine gute Wendigkeit und Schnelligkeit feststellen konnten, lagen die mehrspurigen Lastenräder etwas ruhiger auf der Straße. Bei mehrspurigen Lastenfahrrädern ist mit dem eigenen Gewicht kaum bis gar keine Einflussnahme auf das Fahrverhalten möglich. Einspurige Lastenräder reagieren hingegen auf eine Gewichtsverlagerung. Mehrspurige Lastenräder zeichnen sich oft durch eine höhere Zuladung aus.

Maximale Zuladung beim Lastenfahrrad

Ein Vorteil eines Lastenrads ist die Zuladung. Das Rad selbst ist so konzipiert und gebaut, dass die maximale Zuladung weit über den Zuladungen normaler Fahrräder liegt. Während ein normales Fahrrad durchaus bei einem Maximalgewicht von 130 bis 150 kg aussteigt, können verschiedene Lastenräder auch gut und gerne 200 bis 300 kg transportieren. Je schwerer das Rad, umso anspruchsvoller wird auch das Fahren. Bei der Beladung ist darauf zu achten, dass die Ladung gut gesichert wird und nicht verrutschen kann. Dazu sollten die schwersten Dinge unten liegen, dies ergibt einen besseren Schwerpunkt.

Lastenrad in Oldenburg

Eine hochwertige Verarbeitung ist bei jedem Fahrrad wichtig, dies steht außer Frage. Bei einem Schwerlastfahrrad oder einem Lastenrad ist dieser Aspekt noch ein kleines Stück wichtiger. Schweißnähte sollten hochwertig verarbeitet sein, die Verarbeitung selbst muss auf den Punkt sein. Rahmen und Bauteile dürfen auch unter voller Beladung und hoher Last nicht brechen oder versagen. Viele Lastenräder haben Räder in 20 Zoll und / oder in 26 Zoll, breite und robuste Räder sind bei einem hohen Zuladungsgewicht wichtig. Ebenso bedeutsam ist die Qualität des Fahrradmantels, da dieser ausreichend Grip aufweisen sollte. Größere Räder sind durch das Überfahren von Unebenheiten oftmals anfälliger für Beschädigungen.

Freie Ladefläche oder feste Kiste beim Cargobike

Wer möglichst individuelle und abwechslungsreiche Dinge transportieren möchte, der setzt auf eine einfache Ladefläche ohne einen fest montieren Kasten. Die Ladefläche kann so frei beladen werden und sollte ein geschlossener Kasten benötigt werden, wird dieser auf die Ladefläche gestellt und befestigt. Möchte man einen Sack Blumenerde aus dem Baumarkt holen, kann eine Kiste evtl. zu klein sein, der Sack darf auch nass werden und kann einfach auf eine tiefe Ladefläche gelegt und befestigt werden. Die Einkäufe hingegen sollten trocken bleiben. In diesem Fall nutzt man einfach eine Kiste. Bei diesem Bullitt Lastenrad ist die Kiste nur auf die Ladefläche aufgesetzt. Es ist egal, ob die Kiste aus Holz oder Metall ist, sie sollte möglichst robust und wetterbeständig sein.

Bullitt Lastenrad Test

Lastenfahrräder für Kinder

Immer wieder sieht man Lastenräder, auf denen keine Lasten transportiert werden, sondern bei denen die sehr wertvolle Fracht ein oder zwei Kinder sind. Verschiedene Hersteller haben extra dafür konzipierte Fahrgastkörbe oder Fahrgastzellen, in denen sich Anschnallgurte befinden. Diese Personenzellen können jedoch auch für andere Lasten genutzt werden.

Vorteile gegenüber einem Fahrradanhänger für Kinder gibt es beim Transport im Lastenrad auch, die Kinder sind immer im Blick und haben selbst einen guten Ausblick, der nicht vom Fahrrad oder Fahrer versperrt wird. Damit ein Kind in einem Lastenfahrrad mitfahren darf, muss es jedoch speziell dafür vorgesehene Sitzmöglichkeiten geben.

Riese und Müller Lastenrad Kindersitze

Die Personenbeförderung auf Fahrräder wurde in der StVO Novelle im Jahr 2020 wie folgt angepasst und neu geregelt: „Auf Fahrrädern dürfen Personen mitgenommen werden, wenn die Fahrräder zur Personenbeförderung gebaut und eingerichtet sind und der Fahrzeugführende mindestens 16 Jahre alt ist“ (Quelle: BMVI). Es dürfen somit auch mehr als nur ein Kind befördert werden. Diese können auch hinter dem Fahrer und hintereinander sitzen. Einen Fahrradhelm sollte man den Kindern auch im und auf dem Lastenfahrrad aufsetzen.

Lastenfahrrad mit einer Kabine für Kinder

Parken mit dem Lastenrad

Ein Lastenrad ist ein Teilnehmer im Straßenverkehr und darf auch auf ausgewiesenen Parkflächen parken. Werden hier Parkgebühren erhoben, so müssen diese ebenfalls entrichtet werden. Schwer wird es nur, wenn der Beleg sichtbar am Fahrrad befestigt werden muss. Damit für Lastenfahrräder auch gesonderte Parkflächen ausgewiesen werden können, wurde mit der StVO Novelle ebenfalls ein neues Piktogramm „Lastenrad“ eingeführt. Mit diesem Zeichen können Straßenverkehrsbehörden speziell für Lastenfahrräder Park- und Ladezonen einrichten.

Lastenfahrrad Schild
Quelle: bast.de

Lastenrad für Hunde

Fahrradfahren mit dem Hund muss nicht immer bedeuten, dass der Vierbeiner neben dem Fahrrad herlaufen muss. Mit einem Lastenfahrrad kann der pelzige Freund auch als Passagier mitgenommen werden und den Fahrtwind und die Aussicht genießen. Ein Lastenrad hat einen entscheidenden Vorteil zum Fahrrad Hundeanhänger, der Hund sitzt vor dem Fahrer und befindet sich im Blickfeld. Damit der Hund komfortabel einsteigen kann, bieten einige Modelle eine Klappe zum Herunterlassen an. Als Regenschutz kann eine Haube bzw. Abdeckplane dienen. Besonders für große und schwere Hunde ist das Lastenrad die Alternative zum Fahrradkorb für Hunde.

Lastenfahrrad für Hunde
Babboe Dog

Verschiedene Hersteller für Lastenfahrräder

Bei den Herstellern für Lastenfahrräder gibt es einige bekannte Marken und Brands. Hier ein kleine Liste bekannter Firmen, die sich auch in dem Segment Lastenfahrrad für den privaten als auch für den gewerblichen Gebrauch spezialisiert haben. Nicht nur der umweltbewusste Radfahrer greift immer lieber zum Lastenrad, auch Handwerker, Kommunen oder Lieferdienste setzen vielerorts auf Lastenfahrräder.

  • Babboe
  • Riese und Müller
  • Urban Arrow
  • Hase Bikes
  • Tern
  • Hercules
  • u. a.

Lastenfahrrad mit E-Antrieb

Je schwerer das Fahrrad und je mehr Gewicht transportiert wird, desto anstrengender wird auch das Fahren. Trotz guter Übersetzungen und hochwertiger Komponenten, kann im Cargo-Bereich ein E-Lastenrad sehr viel Sinn ergeben. Wie auch bei einem normalen E-Bike, darf die Tretunterstützung nicht stärker als mit 250 Watt gefördert werden. Darüber hinaus gelten auch hier die Bedingungen für S-Pedelecs: Wird das Lastenrad mit mehr als 250 Watt unterstützt, wird ein Kennzeichen benötigt. Es ist also darauf zu achten, wie viel Leistung der Motor am Elektro-Lastenfahrrad erbringen kann. Besteht die Wahl zwischen einem Vorderradmotor, Hinterradmotor oder Mittelmotor, würden wir uns primär für den Mittelmotor entscheiden. 

Wartung beim Lastenrad

Wer reiner Anwender und Fahrer ist, der sollte die Wartung einem Fachmann überlassen. Durch die intensiveren Belastungen hervorgerufen, ist der Verschleiß an Bremse und Reifen erhöht. Ein Lastenfahrrad sollte daher regelmäßig kontrolliert und gewartet werden. Auch der Luftdruck ist der Zuladung anzupassen. Die Reifen, die Fahrradkette, die Achsen und die Ritzel werden durch das Ladungsgewicht und dem benötigten, erhöhten Kraftaufwand stärker beansprucht.

Förderung von Lastenfahrrädern

Das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) bietet aktuell eine Fördermöglichkeit für E-Lastenräder an. Diese Förderung kann für gewerblich angeschaffte E-Lastenräder in Anspruch genommen werden und umfasst eine Förderung in Höhe von 25% des Anschaffungspreises, jedoch maximal 2500 Euro. Mehr Informationen dazu findet man bei der BAFA. Was kostet ein Lastenrad eigentlich? Dies hängt ganz von der Ausstattung, dem Hersteller und der Bauart ab. Es gibt Modelle für 2000 Euro aber auch Modelle für 7500 Euro und mehr. Um sich teure Räder kaufen zu können, kann auch auf eine Finanzierung oder ein Fahrradleasing gesetzt werden.

Hier eine Beispielrechnung zur Förderung: 3.900 € x 0,25 (25 %) = 975 €  – Über den kleinen Rechner kann eine mögliche Förderung ausgerechnet werden.

Geplante Anschaffungskosten:
Mögliche Förderung im Wert von € (max. 2500 €).

Das Lastenrad absichern

Fahrradversicherungen haben teilweise gesonderte Tarife für Lastenfahrräder. Hier lohnt sich ein Blick beim Thema Fahrradversicherung mit Vollkaskoschutz. Neben einem Fahrraddiebstahl, werden, je nach Tarif, auch Vandalismus oder auch Reparaturen und Verschleiß abgedeckt. Wie auch bei einem normalen Fahrrad gilt: Sichere dein Lastenrad mit einem guten Fahrradschloss. Auch hier empfehlen wir, dass Lastenrad an einen Gegenstand zu schließen.

Winther Lastenrad Cargoo

Wer sich vor dem Kauf nicht sicher ist, der kann in diversen Städten auch Lastenräder ausleihen. Sogenannte „Freie Lastenräder“ können für teilweise bis zu 3 Tage ausgeliehen und gefahren werden. Es kann dann im persönlichen Lastenrad Test herausgefunden werden, ob so ein Spezialfahrrad für einen geeignet ist oder nicht.

Fazit – Lastenfahrrad Test

Die wohl beliebteste Antwort auf offene Fragen ist „Es kommt drauf an“. Genau diese Antwort passt auch beim Lastenfahrrad. Es gibt nicht das eine gute Lastenrad, das jede erdenkliche Situation besonders gut meistert. Beim Lastenfahrrad kommt es ebenfalls sehr darauf an, welchen Zweck mit dem Rad verfolgt wird. Kenne ich meinen Einsatzzweck, kann ich mich für Modelle entscheiden, die für genau diesen Zweck konzipiert wurden. Der Transport von Kindern und Hunden weist andere Ansprüche als der Transport von Paketen, Einkäufen und Werkzeug auf. Will man Antworten auf die Frage „Worauf kommt es bei einem Lastenrad an?“ erhalten, müssen die persönlichen Bedürfnisse bereits definiert sein.

Wir haben in unserem persönlichen Lastenfahrrad Test sehr gut die unterschiedlichen Fahrdynamiken verschiedener Lastenräder feststellen können. Das Bullitt „Long John“, hier haben wir für uns einen sehr angenehmen Schwerpunkt erlebt, fährt sich ganz anders als das „Babboe Dog“. Auch ist das Pedalieren mit einem Elektro-Lastenrad wesentlich angenehmer und einfacher als mit einem „Lasti“ ohne Unterstützung. Was alle Lastenräder jedoch mitbringen sollten, ist eine gute und ausreichend hohe Zuladung und eine hochwertige Verarbeitung. Da die Lastenfahrräder oft deutlich breiter als normale Fahrräder sind, sollte man aus eigenem Interesse mit Reflektoren arbeiten und die Ladefläche damit kenntlich machen. Ebenfalls kann eine zusätzliche Fahrradbeleuchtung sinnvoll sein.

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Über den Autor Fahrradmagazin
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